Meine Kinder trennen 40 Jahre
Warum meine Kinder aktuell in völlig verschiedenen Jahrzehnten zuhause sind Photo by Dmytro Yarish on Unsplash Am 16. Februar 1987 wird das Friedensforum in Moskau fortgesetzt, das sich „für eine kernwaffenfreie Welt und das Überleben der Menschheit” einsetzt. In den US-Charts erreicht der Song Livin’ on a Prayer von Bon Jovi Platz 1 der Billboard Charts. Und in München feiere ich bei frostigen Temperaturen meinen 8. Geburtstag. Ich weiß nicht mehr viel von diesem Jahr, außer dass es ein glückliches Jahr war: mit viel Zeit draußen, einer Schule, die mittags zu Ende war, fünf Fernsehprogrammen, Fußball im nahen Park, unzähligen Lego-Bauprojekten, Comics und mit ganz viel Glück nach der Sportschau auch dem einen oder anderen Bud Spencer-&-Terence Hill- oder Pierre Richard-Film am Samstagabend. Mein 8-jähriger Sohn Luis erlebt 2026 in großen Teilen dieselbe Welt wie ich 1987, nur bei deutlich besserem Wetter in Spanien. Er … … spielt draußen mit seinen Freunden Fußball bis die Sonne untergeht … liest Comics und baut Fantasiewelten mit Lego … schaut mit mir am Samstag die Sportschau … schläft meist in drei Minuten völlig erschöpft ein … denkt, sein nächster Geburtstag sei noch Lichtjahre entfernt Meine 15-jährige Tochter Romy lebt 2026 dagegen wie die meisten ihrer Altersgenossen und Erwachsenen. Sie … … schaut tagsüber oft auf ihr Handy … hat häufig kabellose Kopfhörer im Ohr … schreibt Nachrichten mit beiden Daumen … holt sich bei Bedarf Unterstützung von der KI … navigiert durch eine Welt, die reich an Ablenkungen ist Zwischen meinen beiden Kindern liegen aktuell keine sieben, sondern gefühlte vierzig Jahre. Natürlich hat auch Romy sehr lange in den Achtzigern gelebt: eine Kindheit mit Draußensein, analogen Tagträumen und unendlichen Tagen. Vieles davon trägt sie noch heute in sich: ihre Liebe zu Tieren und zur Natur, ihren Humor, ihr warmes Wesen. Menschen fühlen sich einfach wohl in ihrer Nähe, das war schon immer so. Aber auf ihre analoge Kindheit folgten direkt die Zwanziger, mit Technik, die selbst den wildesten Science-Fiction-Träumen früherer Autoren standhält. Und ich weiß: Luis wird denselben Sprung eines Tages machen. Vielleicht wird sein Sprung sogar noch viel größer und irrer als der seiner Schwester. Auch seine Achtziger werden enden. Aber noch nicht heute. Ich genieße jeden einzelnen Tag, an dem er morgens aufwacht und genauso gut an irgendeinem Tag vor 40 Jahren aufgewacht sein könnte. Noch geht er ohne Gerät durch das Leben. Noch sieht er seine Umgebung als Parkour-Trainingsstrecke vor sich. Noch hat er einen Ball am Fuß und manchmal nach getaner Arbeit auch ein klebriges Eis in der Hand. Noch könnte der Algorithmus für ihn auch ein Bösewicht aus LEGO Ninjago sein. Noch lebt er in den Achtzigern. Aber wie lange noch? Written by Maximilian Breboeck : father, dreamer, and curious student of life who writes about love, sport, health, and the art of analogue living in essays, prose, and poetry. Follow my writing on Medium Explore my books and translations on Amazon Visit my Website for more